
Auf dem Genfer Autosalon hat Renault gerade den elektrischen Renault 5 E-Tech enthüllt, die Serienversion der Studie von 2021. Eckige Scheinwerfer, angedeuteter Lufteinlass auf der Motorhaube, Stoßfänger im Stil von schwarzem Kunststoff: Alles erinnert an den Kleinwagen von 1972. Für viele Liebhaber bleibt der wahre legendäre R5 aber jener, der getunt, aufgeblasen und manchmal von Grund auf umgekrempelt wurde, um schnell zu sein.
1972: ein Kleinwagen, der die Regeln ändert
Als der Renault 5 im Januar 1972 auf den Markt kommt, erfindet er fast im Alleingang den modernen Kleinwagen: Heckklappe, Stoßfänger aus Polyester statt Chromstoßstangen, ein Innenraum, der für die Stadt gedacht ist. Der Erfolg kommt sofort und hält lange an. Schon bald stellt sich bei Renault die Frage: Was würde diese leichte Karosserie mit einem richtigen Motor leisten?
R5 Alpine: der Sportler für jeden Tag
Die Antwort kommt 1976 mit dem Renault 5 Alpine. Sein 1,4-Liter-Motor erhält einen überarbeiteten Zylinderkopf und einen Doppelvergaser, leistet 93 PS und ist mit einem Fünfganggetriebe kombiniert. Für die damalige Zeit ist das in einem Auto dieser Größe enorm. In Großbritannien, wo der Name Alpine einer anderen Marke gehört, wird er als Gordini verkauft.
1981 folgt der Alpine Turbo, der den Doppelvergaser gegen einen Turbolader tauscht und auf 110 PS kommt. Beide Versionen erkennt man an ihren Dekoren: seitliche Streifen, Schriftzüge auf der Heckklappe und je nach Baujahr der Schriftzug « TURBO » auf der Heckscheibe. Details, die sich in wenigen Jahren stark verändert haben und Restauratoren einiges Kopfzerbrechen bereiten: Ein Dekorsatz von 1977 hat mit einem von 1983 nichts gemein.
R5 Turbo: der Wahnsinn des Mittelmotors
Parallel dazu bereitet Renault etwas viel Radikaleres vor. Der auf dem Pariser Autosalon 1978 vorgestellte Renault 5 Turbo hat mit dem Kleinwagen kaum noch etwas gemein: Turbomotor anstelle der Rückbank, Hinterradantrieb, gewaltig verbreiterte hintere Kotflügel. Er ist für den Motorsport gebaut und beweist das schnell: Jean Ragnotti gewinnt mit ihm die Rallye Monte-Carlo 1981 und anschließend die Tour de Corse 1982.
Der 1983 eingeführte Turbo 2 übernimmt mehr Serienteile, um den Preis zu senken; die Maxi-Turbo-Versionen dagegen werden zu wahren Rallye-Monstern. Die Renndekore jener Zeit, etwa das der Tour de Corse von Ragnotti, gehören bis heute zu den am häufigsten nachgebildeten auf modernen Replikas.
Supercinq GT Turbo: die Nachfolge in den 80ern
1985 löst der Supercinq den R5 ab. Seine Version GT Turbo übernimmt die Fackel mit einem 1,4-Liter-Turbo mit 115 PS in einem Auto von weniger als 850 kg. Mit seinen eigenen Stoßfängern, Seitenschwellern und Schriftzügen an Kühlergrill und Heck wird er zum Lieblingssportler einer ganzen Generation. Heute ist er ein sehr gesuchter Youngtimer – und oft stark verändert: Ein Exemplar im Originalzustand zu finden, wird immer schwieriger.
Und der neue R5?
Der elektrische R5 setzt ganz bewusst auf Nostalgie, und Renault macht daraus kein Geheimnis: Schon 2022 griff die in Chantilly gezeigte Studie R5 Turbo 3E die verbreiterte Silhouette des Turbo auf, als Elektroversion. Auch eine sportliche Variante unter dem Alpine-Label wurde angekündigt. Bleibt abzuwarten, ob diese Modelle dasselbe Schicksal haben werden wie ihre Vorfahren, die heute Teil für Teil restauriert werden.
Eines ist sicher: Die Rückkehr des R5 in die Schlagzeilen lässt die Preise der Klassiker steigen. Viele Besitzer holen ihren Alpine oder GT Turbo für eine Auffrischung aus der Garage und entdecken dabei, wie wichtig die Details sind: der richtige Farbton der Streifen, der richtige Schriftzug, das richtige Etikett unter der Motorhaube.
Sie restaurieren einen sportlichen R5? Die Dekore ändern sich von Jahr zu Jahr: Ermitteln Sie vor der Bestellung das genaue Baujahr Ihres Fahrzeugs (beim Alpine Turbo zum Beispiel Ende 1981 – April 1982 oder später), wie auf der Produktseite des Dekorsatzes Alpine Turbo 1982-1984 beschrieben.